Die Elster in Leipzig ist unser Revier, wenn es ums Rudern geht. Aber auch Saale, Elbe oder Spree sind nah genug, wenn eine schöne Strecke als Abwechslung für eine Wanderfahrt gesucht ist. Natürlich kann man auch in ferne Gefilde reisen, Norwegen ist auch schön, oder eine Langstrecke auf der Donau.
Aber Gambia? Westafrika ist ja nun wirklich exotisch für diesen Sport. Und auch wenn es mit dem Gambia River und seinen Nebenflüssen viel Wasser gibt – rund ein Zehntel des gesamten Staatsgebietes – gibt es dort überhaupt Boote? Ist es dort sicher? „Euch fressen doch da die Krokodile!“ war ein oft gehörter Spruch vorab. Egal. Wir wollten unter den Fittichen der Berliner Ruderin Karin Bößenroth dorthin und ein schönes Abenteuer erleben. Karin ist schon seit sehr langer Zeit mit dem Land verbunden, kennt Land und Leute. Und sie hat per Container vier alte Holz-Gigboote dorthin gebracht, die oft zweimal jährlich auf die Tour gehen.
Zwölf Tage dauert die Reise, sechs Rudertage in verschiedenen Revieren sind geplant. Neben Uta und Manfred vom RV Triton sind zwölf Leute aus ganz Deutschland gekommen, die älteste zählte mehr als 80 Jahre. Übernachtet wird in Mittelklassehotels, die sich meist in spektakulärer Lage befinden, aber eher nach afrikanischem Level funktionieren – man sollte nicht alles mit den Augen normaler Touristen bewerten.
Nach ein wenig Strand geht es los auf dem südlichen Grenzfluss zwischen Gambia und Senegal. Das heißt, erst einmal müssen die Boote – nach einem halben Jahr Liegezeit unter einem einfachen Dach, geprüft und abgedichtet werden – mit Hilfe der einheimischen Crew, die dann vor dem zu Wasser bringen mit rhythmischem Trommeln lautstark aufspielt. Auf Google Maps gibt’s das Gewässer gar nicht so richtig, aber breiter als die Elster ist das namenslose Fließ allemal. Ab und zu tauchen Einheimische am Ufer auf, auch Fischer, die im Einbaum unterwegs sind. Pelikane sind überall, kurz hinter „Pelican Islands“ kurze Pause, Wende und zurück.
Von der Hauptstadt Banjul geht es am nächsten Tag über Nebenarme des Gambia River – der ist im Mündungsbereich eigentlich ein Meeresarm und 20 bis 30 km breit – ein gutes Dutzend Kilometer nach Süden. Das Ablegen ist angesichts der zahllosen Boote nicht gegen die Strömung möglich, sondern nur quer. Und schnell zeigt sich, warum man das eigentlich nicht tun soll, denn es geht ganz schnell, und schon wird unsere „Hippo“ gegen ein ankerndes Motorboot gedrückt. Passiert ist zum Glück nichts, auch ein Muschelschnitt in den bloßen Fuß beim Einsteigen bleibt zum Glück folgenlos. Der Rest ist blanke Ruderfreude. Und tatsächlich: Ein schläfriges Krokodil wird zwischen den Mangrovenwurzeln gesichtet und fotografiert.
Nachts werden die Boote auf einen Hänger verladen und weiter landeinwärts transportiert – für uns bleibt viel Zeit, das Alltagsleben in Gambia zu betrachten, viel Fisch zu essen und natürlich über die Erlebnisse zu sprechen – manchmal auch am Lagerfeuer. Auch die anderen Ausflüge haben immer etwas Besonderes: Eine Tour am frühen Morgen, eine zum Sonnenuntergang. Eine größere Gruppe Delphine springt vor der „Dolphin“, der Nebenfluss ist sehr viel breiter als die Donau in Wien. Auf jeder Rast wird – neben reichlich Wasser – immer mal nach „Wonjo“ verlangt. Das ist ein köstlicher kalter Tee aus Hisbiskusblüten, der wunderbar erfrischt.
Das ist auch nötig, denn es ist unsäglich heiß. So heiß, dass selbst die Crew unter Mittag lieber im Schatten sitzt. Es ist für Gambi tatsächlich ungewöhnlich, dass das Thermometer bis zur 40 Grad Grenze kommt. Meist kühlt der Wind vom Atlantik. Jetzt wissen wir, dass man auch in der Hitze rudern kann, wenn man nur genug trinkt.
Gut 90 km stehen am Ende für jeden auf der Uhr, jeder hat mal einen halben Tag oder auch mehr ausgesetzt und ist entweder im Begleitboot mit auf dem Fluss gefahren oder hat auf eigene Faust die Umgebung erkundet. Beim Abschied sind sich alle einig, dass die Reise den Aufwand allemal wert war. Und auch Karin bekommt ein kleines Geschenk und großen Dank zum Abschied. Im November, dann ist die Regenzeit vorbei, wird sie die nächste Tour beginnen.
masch


